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Phototalk @ Photowalk

Maren Becker lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Sie ist hauptberuflich in der Mediengestaltung tätig. Die Photographie eignete sie sich autodidaktisch an. Ihre Schwerpunkte sind, soweit sich das bei ihr eingrenzen lässt, Landschaft bzw. Natur und vor allem Selbstportraits. Marens Hauptaugenmerk richtet sich auf das Photographieren an sich, auf die Tätigkeit und auf die Auseinandersetzung mit Emotionen und Bildern. Ihr Ziel: Mit ihrer Photographie Gedanken und Gefühle zu „Papier“ bringen.

Vor kurzem stieg sie in die Stock Photographie ein und arbeitet momentan mit drei Agenturen zusammen, die Lizenzen an Verlage und andere Medien verkaufen.

Ihre Website: www.maren-becker.com

  

Ein gelungenes Foto ist eines, das beim Betrachter Emotionen auslöst und erreicht, dass er sich Gedanken macht. (Maren Becker)

Was war das erste Bild, das Du gemacht hast, an das Du Dich erinnerst? Wie alt warst Du da? Weißt Du noch die Umstände?
Das allererste weiß ich nicht mehr, es gibt aber eins, an das ich mich sehr gut erinnere: Ich war etwa 5 Jahre alt und mit meinen Eltern und Großeltern im Zoo. Damals hatte ich eine kleine Kompaktkamera, bei der man richtig „oldschool“ den Film nach jedem Foto manuell weiter transportieren musste. Das wusste ich auch, habe es im Eifer des Gefechts aber einmal vergessen, und so entstand eine Doppelbelichtung: Ein Pfau, der sein Rad aufgeschlagen hatte über einem seitlich fotografierten Elefanten. Das Interessante an dem Bild war, dass das „Pfauenauge“ aus dem Gefieder genau über dem Auge des Elefanten lag.

Ich habe mich damals schrecklich über das verpfuschte Bild geärgert, heute finde ich so etwas durchaus interessant.

Wie bist Du zur Photographie gekommen?
Ich weiß es nicht mehr genau, da ich eigentlich schon immer gerne fotografiert habe, mal mehr und mal weniger ambitioniert. Meine frühesten Erinnerungen ans Fotografieren bzw. die Bedeutsamkeit von Fotos sind das Durchblättern von Fotoalben meiner Familie sowie eine AG im Kindergarten, bei der wir grundlegende Dinge gelernt haben, z.B. wie das Bild auf dem Film entsteht und wie es von dort auf das Fotopapier gelangt.

Ich habe immer Kameras besessen und auch gerne mit Lichtsituationen experimentiert, alles „Learning by Doing“, ohne Kurse, Fotogruppen etc. Ein gewaltiger Aha-Effekt setzte nochmals ein, als ich mir 2007 eine digitale Spiegelreflexkamera kaufte. Dadurch, dass man die Ergebnisse immer sofort mit den Belichtungsdaten vergleichen kann, habe ich viel gelernt, anhand eigener Bilder sowie auch am Anschauen der EXIF-Daten fremder Fotos auf Flickr.

Was fasziniert Dich besonders an der Photographie?
Fotografie ist für mich eine Ausdrucksmöglichkeit, die es erlaubt, die Wirklichkeit je nach Intention originalgetreu abzubilden oder zu verfälschen bzw. eigene Wirklichkeiten zu erschaffen. Das Faszinierende ist, dass durch den simplen Akt des Drückens auf den Kameraauslöser ein Moment aus der Zeit herausgerissen und für die Ewigkeit festgehalten wird, um dann je nach Betrachter wiederum teilweise unterschiedliche Emotionen und Eindrücke auszulösen.

Worauf legst Du in Deiner Arbeit besonderen Wert?
Fotografieren macht mich glücklich, und da ich von der Fotografie nicht leben muss, kann ich mir den Luxus erlauben, nur das zu fotografieren, was ich wirklich möchte.  Ich will mir die Freiheit lassen, mich mit meinen Bildern auseinanderzusetzen und nicht „auf Masse“ zu fotografieren, sondern Bilder zu machen, hinter denen ich stehe und mit denen ich mich immer identifizieren kann.

Welche Bilder siehst Du Dir selber gern an?
Ich mag sprechende Bilder, die Geschichten erzählen oder die den Betrachter in die dargestellte Situation hineinziehen und zur Auseinandersetzung damit auffordern. Dabei sind Thema, Stil und Motiv eigentlich völlig egal, ich bin da sehr begeisterungsfähig.

Was zeichnet ein gutes Bild aus? Wann ist es für Dich ein gelungenes Bild?
Wenn ein Foto in der Lage ist, beim Betrachter Emotionen auszulösen und erreicht, dass er sich Gedanken macht und sich in eine Szene hineingezogen fühlt, dann ist es für mich gelungen. Technische Perfektion ist dabei eigentlich nicht so wichtig.

Gibt es ein Vorbild, das Dich geprägt hat?
Nein, eigentlich habe ich keine Vorbilder.

„In der Fotografie kann man sich nicht verstellen, die persönliche Handschrift entwickelt sich von selbst.“ (Maren Becker)

Was inspiriert Dich?
Ich lasse mich gerne von Zitaten aus Liedern, Büchern oder Filmen inspirieren. Ein einziger Satz kann manchmal so viel ausdrücken – ebenso wie ich es auch in meinen Bildern zum Teil zu transportieren versuche. Eigentlich ist das ganze Leben manchmal Inspiration. Ich mache sehr oft Bilder „in meinem Kopf“. Wenn ich unterwegs bin, sehe ich ständig Situationen, Momente, Menschen oder Dinge, die mich interessieren und die meine Fantasie anregen, zu denen ich mir Geschichten ausdenke. Da ist eigentlich die konstante Suche nach Bildern, „it’s addictive!“ Auch Bilder anderer Fotografen sind natürlich sehr oft Inspiration und Anregung, ein Thema auf die eigene Weise zu variieren.

Hast du in Deinen Arbeiten ein Spezialgebiet?
Zum einen fotografiere ich gerne Landschaften und in der Natur, speziell im Wald. Das hat einmal den ganz profanen Grund, dass ich gerne an der frischen Luft bin. Zum anderen faszinieren mich das Licht und die Jahreszeiten, wenn man draußen fotografiert. Viele Landschaften haben so etwas Gewaltiges an sich, dass ich einfach nur sprachlos bin und das gerne festhalten möchte. Auch der Himmel mit seinen sich beständig verändernden Farben und Lichtern ist ein prima Motiv, das mir eigentlich nie langweilig wird.

Wichtiger Teil meiner Arbeit sind vor allem die Selbstportraits. Man ist gleichzeitig Fotograf und Motiv, das ist sehr spannend. Es ist praktisch, weil man keine Models braucht, aber auch anstrengend, weil man sehr genau arbeiten muss. Manche dieser Portraits entstehen ganz spontan aus einer Laune heraus, manche sind auch sorgfältiger geplant. Ich mache diese Fotos vor allem für mich selbst, es ist eine Form der Selbstreflexion und dem Spiel mit der eigenen Identität.

Bei einer Veröffentlichung möchte ich, dass man sich die Bilder nicht nur anschaut, sondern darüber nachdenkt und sich fragt: „Wer ist diese Frau, warum sitzt sie da? Was denkt sie, was beschäftigt sie, wohin schaut sie?“

Was möchtest Du mit der Photographie vermitteln, erreichen?
Ich fotografiere nicht in erster Linie, um etwas zu vermitteln, sondern weil mich das Medium als solches fasziniert. Mich macht das Arbeiten an Bildern glücklich, ich mag die Auseinandersetzung mit dem Motiv, und auch die ganz platte handwerkliche Tätigkeit als solche. Das Auswählen der Blende, die Positionierung der Kamera usw. hat für mich etwas Beruhigendes und fast Kontemplatives. Nach einem Shooting fühle ich mich irgendwie geerdet, das ist für mich wie eine Auszeit.

Beim Sichten Deiner Bilder: Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Bilder aus?
Ich versuche von vornherein, nicht zu viel Material zu produzieren (leider gelingt mir das noch nicht immer). Ich wähle dann die Bilder aus, die dem am ehesten entsprechen, was ich geplant hatte, aber die besten Bilder sind tatsächlich oft die, die eher „Unfälle“ sind, weil teilweise verwackelt, abgeschnitten oder anderer Bildausschnitt als gedacht. Wie schon Diane Arbus sagte: „I’ve never taken the picture I intended – they are always better or worse.“

Bevorzugst Du die analoge oder digitale Photographie? Aus welchem Grund?
Ich mag Analogfotografie sehr, muss aber ehrlich zugeben, dass ich zum Entwickeln und Abziehen der Bilder einfach zu faul bin.

Welchen Tipp gibst Du, wie man die eigene Photographie weiter entwickeln kann?
Viel ausprobieren, aber sich nicht darauf versteifen, dass man einen bestimmten Stil entwickeln haben oder etwas Bestimmtes können muss. Wenn einem etwas nicht liegt, dann merkt man das irgendwann schon, und dann ist es auch wenig sinnvoll, dem nachzueifern. Man kann sich nicht verstellen, aber eine gewisse persönliche Handschrift entwickelt sich meistens mit der Zeit von selbst, und daran kann man dann arbeiten.

Worauf sollten Anfänger achten?
Licht und Perspektive! Seit ich bewusster fotografiere, habe ich speziell über das Licht viel gelernt. Ich fotografiere ausschließlich mit natürlichem bzw. vorhandenem Licht, und es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie sich das Licht über den Tagesverlauf und abhängig von Wetter und Jahreszeit verändert. Licht schafft so viel Atmosphäre, man kann damit wunderbar arbeiten, wenn man sich darauf einlässt.

Was sollten sie vermeiden
Ein beliebter Fehler ist es, ständig der „richtigen Kameraeinstellung“ hinterherzulaufen. Ich bin schon so oft gefragt worden, ob ich nicht mal kurz erklären könnte, wie man die Kamera einstellen muss. Das ist zum einen die falsche Annahme, die Kamera sei eine selbsttätig arbeitende Maschine. Davon muss man sich frei machen. Die Kamera ist lediglich ein Werkzeug, das bedient werden will. Und dazu muss man es verstehen können. Zum anderen liegt der Denkfehler darin, dass es NUR auf die Kamera ankäme bzw. auf die „richtige Einstellung“ derselben. Auch das ist falsch, denn die Kamera macht nur die Bilder, die der Fotograf sieht.
Gibt es ein Projekt, an dem Du aktuell arbeitest? Das demnächst erscheint? Wo?
Ich arbeite aktuell an keinem bestimmten Projekt, werde aber einige Serien (Selbstportraits, Schuhe, Wald) in loser Folge kontinuierlich fortsetzen. Außerdem ich werde im Mai nach New York fliegen und dort fotografieren. Vor einem knappen Jahr war ich schon mal dort und möchte diesmal eine etwas andere Perspektive nutzen, mich mehr auf Details konzentrieren.

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